Ausbildungsmarkt im Niederrhein bricht ein – G9-Reform verschärft Fachkräftemangel
Laurenz MühleAusbildungsmarkt im Niederrhein bricht ein – G9-Reform verschärft Fachkräftemangel
Immer weniger junge Menschen im Mittleren Niederrhein beginnen dieses Jahr eine Ausbildung
Bis Ende Oktober verzeichnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein 3.538 neue Ausbildungsverträge – ein Rückgang um 6,48 Prozent im Vergleich zu 2022. Experten warnen, dass bildungspolitische Änderungen und veränderte Berufspräferenzen den Ausbildungsmarkt grundlegend verändern.
Die Entwicklung fällt je nach Kreis unterschiedlich aus: Im Kreis Viersen brachen die Neuabschlüsse mit nur noch 612 Verträgen um 11,94 Prozent ein. Krefeld verzeichnete dagegen einen leichten Rückgang von nur 0,52 Prozent und kam auf 964 neue Ausbildungsverhältnisse.
Beliebte Ausbildungsberufe waren unter anderem Kaufleute für Büromanagement, Chemikanten sowie Verkäufer im Einzelhandel. Auch die Ausbildung im Groß- und Außenhandel fand reges Interesse.
Wie Hasan Klauser, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld, erläutert, bleibt der Markt weiterhin arbeitnehmerfreundlich: Es gebe mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, ergänzt, dass Unternehmen, die Abiturienten einstellen wollen, künftig vor noch größeren Herausforderungen stehen werden.
Ein Grund für die Entwicklung ist die Rückkehr Nordrhein-Westfalens zum neunjährigen Gymnasium (G9). Da 2026 voraussichtlich keine Schulabgänger mit Abitur zur Verfügung stehen, wird der Nachwuchs an hochqualifizierten Kräften knapper. Um gegenzusteuern, werben IHK, Kreishandwerkerschaft und Bundesagentur für Arbeit verstärkt für die duale Ausbildung. Betriebe setzen unterdessen weiterhin auf eigene Ausbildungsprogramme, um Fachkräfte zu sichern.
Während die Ausbildungszahlen in der Region insgesamt sinken, sind einige Gebiete stärker betroffen als andere. Die Umstellung auf G9 und der Bewerbermarkt zwingen Unternehmen, ihre Rekrutierungsstrategien anzupassen. Bis auf Weiteres bleibt die betriebliche Ausbildung der zuverlässigste Weg, um qualifiziertes Personal aufzubauen.






