15 April 2026, 16:14

Dichand übernimmt Kronen Zeitung – das Ende einer Medienära?

Schwarz-weißer Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt 'Weitpreubliche Zeitung', zeigt eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Umgebung.

Dichand übernimmt Kronen Zeitung – das Ende einer Medienära?

Die Zukunft der österreichischen Medienlandschaft steht vor einem Wandel: Christoph Dichand, Herausgeber der Kronen Zeitung, hat grünes Licht für den Erwerb der Anteile der Funke-Mediengruppe erhalten. Dieser Schritt könnte die vollständige Übernahme der Kronen Zeitung durch die Familie Dichand besiegeln – ein lang gehegter Wunsch, der mit dem Erbe des verstorbenen Vaters Hans Dichand verbunden ist.

Der Deal fällt in eine Zeit, in der Mediaprint, ein zentrales Joint Venture mit Beteiligung der Kronen Zeitung, unter wachsendem Druck steht. Rückläufige Verkaufszahlen im Printbereich und die zunehmende digitale Konkurrenz setzen dem Unternehmen zu.

Die Kronen Zeitung wurde 1959 von Hans Dichand mit finanzieller Unterstützung von Kurt Falk gegründet, der bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil hielt. Über die Jahrzehnte blieb die Kontrolle in den Händen der Familie Dichand, wobei Christoph die Zeitung heute gemeinsam mit seinen Geschwistern führt: Michael, ein Biobauer, und Johanna, eine Kunstsammlerin.

Die Funke-Mediengruppe hingegen geht auf das Jahr 1948 zurück, als Jakob Funke, Sohn eines Krupp-Schlossers, in Bochum die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) ins Leben rief. Die WAZ entwickelte sich zur größten Regionalzeitung Deutschlands und prägte später auch den österreichischen Medienmarkt über Mediaprint. Dieses Joint Venture, 1988 von der Kronen Zeitung, dem Kurier und der WAZ-Gruppe gegründet, stand jedoch stets in der Kritik und sah sich mit Forderungen nach Auflösung konfrontiert.

Neben den Zeitungen spielten auch kulturelle Verbindungen zwischen Bochum und Wien eine Rolle: Zwei Direktoren des renommierten Wiener Burgtheaters – Claus Peymann 1986 und Matthias Hartmann 2009 – leiteten zuvor das Schauspielhaus Bochum. Während die Zukunft von Mediaprint in der Schwebe hängt, vermuten Branchenbeobachter, dass die Raiffeisen-Gruppe, die mit der österreichischen ÖVP verbunden ist, Einfluss auf den Kurier nehmen wollte.

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Sollte Christoph Dichands Übernahme wie geplant verlaufen, wird die Kronen Zeitung vollständig in Familienbesitz übergehen – eine Vision, die Hans Dichand bereits vor Jahrzehnten verfolgte. Der Deal fällt zudem in eine Phase, in der Mediaprint mit sinkenden Auflagen und der beschleunigten digitalen Transformation kämpft. Die Entwicklungen werden die Medienbesitzverhältnisse in Österreich und deren politische Verflechtungen nachhaltig prägen.

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