Duisburger Hafen: 95 Prozent der Belegschaft fordern Tarifvertrag gegen prekäre Löhne
Laurenz MühleDuisburger Hafen: 95 Prozent der Belegschaft fordern Tarifvertrag gegen prekäre Löhne
Beschäftigte im Duisburger Hafen kämpfen für Tarifvertrag – Umfrage zeigt massive Unterstützung
Arbeiter:innen im Duisburger Hafen fordern die Einführung eines Tarifvertrags – eine aktuelle Umfrage belegt eine überwältigende Zustimmung. Die Forderung kommt angesichts von Klagen über niedrige Löhne, unvorhersehbare Schichtpläne und fehlende Sozialleistungen. Die Unternehmensführung hat die Forderung hingegen abgelehnt, was bei den Beschäftigten Frust auslöst und die Gewerkschaftsvertreter:innen zum Handeln entschlossen sein lässt.
Die Duisburger Hafen AG, Europas größter Binnenhafen, schlägt jährlich über 40 Millionen Tonnen Fracht um. Das Unternehmen beschäftigt direkt rund 500 Menschen und sichert weitere 10.000 Arbeitsplätze in der Region – ein zentraler Logistikstandort für Nordrhein-Westfalen und Westdeutschland. Doch trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung haben die Beschäftigten mit prekären Arbeitsbedingungen zu kämpfen.
Eine Umfrage der Gewerkschaft Verdi ergab, dass 95 Prozent der Belegschaft einen Tarifvertrag fordern. Die aktuellen Gehälter liegen zwischen 2.750 und 2.900 Euro brutto pro Monat – deutlich unter denen vergleichbarer Häfen. Die Arbeiter:innen berichten zudem von intransparenten Gehaltsstrukturen, ausbleibenden Weihnachtsgeldzahlungen und Schichtplänen, die erst kurzfristig bekannt gegeben werden.
Der Betriebsrat des Unternehmens hat sich jedoch von der Forderung distanziert. Er gebe an, von der Initiative für Tarifverhandlungen nichts zu wissen, und arbeite eng mit der Geschäftsführung zusammen. Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, lehnte Verdi-Forderung kategorisch ab, während die Landesregierung eine Einmischung ablehnt.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) setzt sich seit Langem für eine Stärkung der Tarifbindung als Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland ein. Auf lokaler Ebene hat sich Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link – ein möglicher Kandidat für die Landtagswahl 2027 – zu dem Konflikt noch nicht geäußert.
Streit eskaliert: Belegschaft gegen Führungsetage Der Konflikt bei der Duisburger Hafen AG offenbart tiefe Gräben zwischen Beschäftigten und Management. Ohne Eingreifen des Landes und mit einem Betriebsrat, der sich auf die Seite der Unternehmensführung stellt, blicken die Arbeiter:innen nun auf Verdi als letzte Instanz. Das Ergebnis könnte wegweisend für die Arbeitsrechte in einem der wichtigsten Handelsdrehscheiben Deutschlands werden.






