Erzbistum Paderborn: 489 Missbrauchsfälle zwischen 1941 und 2022 aufgedeckt
Rebekka UllrichBischof von Paderborn Bentz sucht Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn: 489 Missbrauchsfälle zwischen 1941 und 2022 aufgedeckt
Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb des Erzbistums Paderborn zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Die Erkenntnisse betreffen 210 beschuldigte Personen, darunter auch den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Kirchenvertreter haben mit Entschuldigungen und dem Versprechen weiterer Untersuchungen reagiert.
Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither haben sich die Ermittlungen auf zahlreiche Bistümer ausgeweitet, darunter auch Paderborn. Ein Bericht aus dem Jahr 2023 hatte zunächst Vorwürfe gegen Degenhardt thematisiert, eine unabhängige Studie von 2024 bestätigte später 15 Opfer, die mit ihm in Verbindung stehen.
Das Erzbistum hat den Missbrauch öffentlich eingeräumt, konnte jedoch aufgrund der Verjährungsfristen keine rechtlichen Schritte einleiten. Über allgemeine Präventionsmaßnahmen hinaus wurden keine institutionellen Reformen angekündigt. Stattdessen entschuldigte sich Bischof Udo Markus Bentz offiziell bei den Betroffenen und bezeichnete die Ergebnisse als Beleg für ein systemisches Versagen der Kirche.
Bis Donnerstag hat das Erzbistum 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer geleistet. Dennoch laufen die Ermittlungen zu Degenhardts Rolle und der weiteren institutionellen Verantwortung weiter.
Das Erzbistum Paderborn hat sich zu einer fortlaufenden unabhängigen Überprüfung der Missbrauchsfälle verpflichtet. Betroffene haben zwar finanzielle Entschädigungen erhalten, doch weitere rechtliche oder strukturelle Änderungen blieben aus. Die Reaktion der Kirche konzentriert sich weiterhin auf Anerkennung und Prävention – nicht auf Strafverfolgung oder Reformen.