28 June 2026, 14:10

Humboldt Forum: Zwischen koloniale Kritik und prekärer Identitätssuche

Humboldt-Forum feiert 5. Geburtstag

Humboldt Forum: Zwischen koloniale Kritik und prekärer Identitätssuche

Das Humboldt Forum in Berlin entfacht seit seiner Eröffnung – ja sogar schon davor – anhaltende Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt. Sein kulturelles Programm setzt sich mit zentralen Themen wie dem Schwinden der Demokratie und globaler Ungerechtigkeit auseinander, doch der Ort selbst wirkt oft abgehoben und fehl am Platz.

Finanziell getragen von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte das Forum preußischen Glanz in das östliche Herz Berlins bringen. Unter seiner kreuzgekrönten Kuppel beherbergt es heute das Ethnologische Museum und das Museum Asiatischer Kunst. Im vergangenen Jahr besuchten rund 634.000 Menschen seine Ausstellungen, während 3,3 Millionen das Gebäude durchquerten – viele nur für ein Selfie im Innenhof.

Das kulturelle Programm ist von der Dimension eines großen Theaters geprägt. Doch seine Wirkung verpufft oft zwischen Flughafen-Terminal-ähnlichen Rolltreppen und endlos wirkenden Betongängen. Performances wie Sarah Ama Duahs „to build to bury to remember“ hinterfragen koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als autonome Körper inszenieren.

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Trotz seines ehrgeizigen Ansatzes ringt das Forum noch immer um seine Position. Fünf Jahre nach der Eröffnung wirkt es wie ein Gast, der in der falschen Runde einer Party verweilt und verzweifelt versucht, ins richtige Gespräch zu finden. Die Autorin plant, an einer Diskussion über einen Fluss im Süden Brasiliens teilzunehmen, der unter einem Einkaufszentrum verschwand und später als Denkmal im Humboldt Forum wieder auftauchte.

Die Institution bleibt ein umkämpfter Ort – für manche zu sehr vom Kolonialismus belastet, für andere zu weit entfernt von der Stadt, in der es steht.

Quelle