Kölner Dom plant Eintrittsgeld – Ende einer jahrhundertealten Tradition?
Rebekka UllrichEhemaliger Dom-Architekt kritisiert geplante Eintrittspreise für den Kölner Dom - Kölner Dom plant Eintrittsgeld – Ende einer jahrhundertealten Tradition?
Kölner Dom könnte bald Eintritt kosten
Der Kölner Dom, eine der berühmtesten katholischen Kirchen der Welt, könnte Besuchern bald eine Eintrittsgebühr berechnen. Die Sehenswürdigkeit, die jährlich sechs Millionen Menschen anzieht, hat eine Debatte ausgelöst, nachdem die Verantwortlichen Pläne bekanntgaben, die Gebühr in der zweiten Jahreshälfte 2026 einzuführen. Kritiker befürchten, dass dieser Schritt den offenen und inklusiven Charakter der Kathedrale verändern könnte.
Barbara Schock-Werner, die ehemalige Dombaumeisterin des Kölner Doms, lehnt die geplante Eintrittsgebühr entschieden ab. Sie bezeichnete den Vorschlag als "sehr problematisch" und warnte davor, dass dadurch der Zugang vor allem wohlhabenderen Touristen vorbehalten bleiben und der Charakter des Ortes beeinträchtigt werden könnte. Der Dom, in dem die Reliquien der Heiligen Drei Könige aufbewahrt werden, steht seit Langem für öffentliches Kulturerbe und spirituelle Bedeutung.
Schock-Werner erkannte zwar den Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln an, betonte jedoch, dass eine Gebühr für Besucher die Rolle der Kathedrale als zentraler Ort der Stadt schwächen könnte. Ihre Bedenken spiegeln eine breitere öffentliche Ablehnung ähnlicher Vorhaben in Deutschland wider. In den vergangenen fünf Jahren stießen Pläne für Eintrittsgelder an bedeutenden Stätten – wie etwa am Lübecker Holstentor 2024 – auf Proteste, Petitionen und Medienkritik. Eine 2023 gestartete Petition gegen die Kölner Gebühr sammelte 150.000 Unterschriften, während Befürworter argumentierten, dass steigende Instandhaltungskosten die Maßnahme rechtfertigten.
Die genauen Kosten für den Eintritt stehen noch nicht fest, doch die Einführung ist für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Die Entscheidung folgt auf Jahre steigender Ausgaben für die Erhaltung des Bauwerks, doch Gegner befürchten, dass sie einen ungewollten Präzedenzfall für andere historische Stätten schaffen könnte.
Die geplante Gebühr spaltet die Meinungen – viele sorgen sich um eine eingeschränkte Zugänglichkeit. Sollte sie umgesetzt werden, wäre dies ein bedeutender Wandel für eine Kathedrale, die seit Jahrhunderten kostenfrei zugänglich ist. Das Ergebnis könnte wegweisend dafür sein, wie andere Kulturerbestätten in Deutschland künftig den Spagat zwischen Finanzierungsbedarf und öffentlichem Zugang meistern.