09 May 2026, 22:12

Politischer Boykott erschüttert die Biennale Venedig 2024 – Preise werden erst im November vergeben

Plakat für Imre Kiralfys Super-Spektakel in Venedig bei Olympia, das kostümierte Künstler vor einem gebogenen und säulengeschmückten Gebäude mit Laternenmasten und Bäumen im Hintergrund zeigt.

Politischer Boykott erschüttert die Biennale Venedig 2024 – Preise werden erst im November vergeben

Die 61. Biennale von Venedig hat ihre Tore für Besucher geöffnet und präsentiert in diesem Jahr 100 nationale Pavillons und 111 Künstler unter dem Motto „In Moll-Tönen“. Doch die diesjährige Veranstaltung nahm eine unerwartete Wendung, als politische Spannungen die Feierlichkeiten überschatteten. Ein Boykott der internationalen Jury hat den üblichen Preisvergabeprozess durcheinandergebracht und eine Debatte über die Rolle der Politik in der Kunst entfacht.

Der Streit begann, als die fünfköpfige Jury bekannt gab, die Pavillons Israels und Russlands zu boykottieren. Ihre Entscheidung schloss alle Länder von der Preisvergabe aus, deren Führungskräfte sich Vorwürfen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgesetzt sehen. Daraufhin traten alle Jurymitglieder zurück, was die Organisatoren zwang, die prestigeträchtigen Auszeichnungen des Goldenen Löwen zu verschieben.

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Als Reaktion lehnten die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung den Boykott ab und bestanden auf institutioneller Neutralität. Um die Lücke zu füllen, wurde eine öffentliche Abstimmung eingeführt – die „Besucher-Löwen“ –, die es den Gästen ermöglicht, ihre Lieblingsausstellungen zu wählen. Die Gewinner werden nun erst am 22. November bekannt gegeben.

Zu den umstrittenen Pavillons zählt Israels Beitrag „Rose der Nichtigkeit“ mit Werken des Künstlers Belu-Simion Fainaru. Russlands Ausstellung „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“ umfasst Beiträge von rund 40 Künstlern. Beide bleiben trotz des Boykotts für Besucher zugänglich.

Jenseits der Kontroverse setzt die Biennale weiterhin auf vielfältige Stimmen. Portugals Beitrag „RedSkyFalls“ von Alexandre Estrela ist im Palazzo Fondaco Marcello zu sehen. Auch Brasilien und Osttimor vertreten die lusophone Welt und unterstreichen die globale Ausrichtung der Veranstaltung. Neben den nationalen Pavillons sind 31 Begleitausstellungen über Venedig verteilt und bieten zusätzliche künstlerische Perspektiven.

Der Boykott hat die diesjährige Biennale von Venedig geprägt – er verzögerte die Preisvergabe und führte ein öffentliches Abstimmungssystem ein. Zwar bleibt die Veranstaltung ein bedeutendes kulturelles Ereignis, doch der Konflikt zwischen künstlerischem Ausdruck und politischem Protest hat Spuren hinterlassen. Die endgültigen Entscheidungen am 22. November werden zeigen, wie diese Ausgabe in Erinnerung bleibt.

Quelle