Warendorf beharrt auf umstrittenen Straßennamen trotz NS-Vergangenheit
Laurenz MühleWarendorf beharrt auf umstrittenen Straßennamen trotz NS-Vergangenheit
Stadt Warendorf behält umstrittene Straßennamen bei
Der Stadtrat von Warendorf hat beschlossen, drei umstrittene Straßennamen trotz Forderungen nach einer Umbenennung beizubehalten. Eine Bürgerkommission hatte aufgrund möglicher Verbindungen zur NS-Zeit eine Namensänderung empfohlen, doch der Rat lehnte den Vorschlag ab. Ausschlaggebend waren vor allem Haushaltsgründe: Die Kosten für neue Schilder wurden auf etwa 5.700 Euro geschätzt.
Bei den betroffenen Straßen handelt es sich um die Wagenfeldstraße, den Agnes-Miegel-Weg und die Heinrich-Tenhumberg-Straße. Sie waren nach Bedenken wegen ihrer historischen Bezüge überprüft worden. Bereits im März 2026 waren Pläne zur Umbenennung auf Eis gelegt worden. Später lehnte der Rat auch Kompromissvorschläge ab, etwa die Anbringung eines Zitats des ortsansässigen Autors Paul Schallück.
Die finanziellen Aspekte spielten eine zentrale Rolle. Ratsmitglied André Wenning bezeichnete die Entscheidung als pragmatisch und argumentierte, dass die begrenzten Mittel die Ausgaben von 5.700 Euro für neue Schilder nicht rechtfertigten. Unterdessen bleibt eine Tafel mit einem Zitat von Agnes Miegel am Rathaus bestehen.
Andere deutsche Städte gehen anders mit der Thematik um: So benannte Berlin-Kreuzberg im Juni 2025 den Blücherplatz in Eva-Mamlok-Platz um, während Hannover die Konstanty-Gutschow-Straße wegen NS-Bezügen in Carl-Neuberg-Straße änderte. Ähnliche Diskussionen laufen derzeit in Herrsching und Memmingen. Reinhold Schoppmann vom Bürgerbündnis kritisierte Warendorfs Entscheidung als verpasste Chance zur Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Die Straßennamen bleiben vorerst unverändert. Der Beschluss des Rates bedeutet, dass es zunächst keine weiteren Schritte geben wird – auch wenn die Debatte über historische Verantwortung anhalten könnte. Während andere Kommunen Umbenennungen vorantreiben, zeigt Warendorfs Haltung, wie unterschiedlich Städte mit der Aufarbeitung der Vergangenheit umgehen.






