24 March 2026, 14:15

Verbotenes Meisterwerk: Wie Nurejew-Ballett Russlands Zensur herausfordert

Plakat für eine Pariser Ballettvorstellung von 1909 namens 'Saison Russe' mit einer gemalten Tänzerin in einer anmutigen Pose.

Verbotenes Meisterwerk: Wie Nurejew-Ballett Russlands Zensur herausfordert

Das Ballett Nurejew erzählt die Geschichte des legendären Tänzers Rudolf Nurejew – von seinen Anfängen an der Ballettschule in Leningrad bis zu seiner Flucht in den Westen. Ursprünglich 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt, verbindet es seine persönlichen Kämpfe mit ikonischen Auftritten. Die Produktion sah sich seitdem mit Kontroversen konfrontiert und wurde im vergangenen Jahr in Russland schließlich verboten.

Ursprünglich 1995 in Berlin premiert, erlebte das Ballett 2017 unter dem Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow seine ambitionierteste Fassung. Possochow, in der ukrainischen Stadt Luhansk geboren und heute US-Bürger, bleibt trotz des anhaltenden Krieges mit dem Bolschoi-Theater verbunden. Serebrennikow hingegen verpasste die russische Premiere wegen rechtlicher Probleme und wurde später wegen Untreue verurteilt.

Die Bühnenbilder sind geprägt von Symbolen aus Nurejews Leben: Aktstudien alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar ein Modell seiner italienischen Insel. Der erste Akt zeichnet seinen Aufstieg nach – von der Waganowa-Ballettakademie bis zu seiner spektakulären Flucht nach Frankreich –, während der zweite, trotz visueller Pracht, emotional nicht ganz mithalten kann. Das Finale zeigt Nurejew, der die letzten Momente seines Lebens dirigiert, bevor die Bühne verdunkelt – ein Verweis auf seinen Tod 1993 an den Folgen von Aids.

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2023 wurde das Ballett in Russland verboten. Die Behörden begründeten dies mit der Darstellung von Nurejews Homosexualität, die gegen die verschärften "Gesetze zur Homo-Propaganda" und ein Urteil des Obersten Gerichts gegen LGBTQ+-Aktivismus verstoße. Das Verbot folgte auf ein Gesetz von 2022, das die Beschränkungen auf alle Altersgruppen ausweitete, sowie auf die Einstufung der "internationalen LGBT-Bewegung" als extremistisch im Jahr 2023.

Nach Nurejews Tod 1993 wurde sein Nachlass 1995 versteigert, wobei persönliche Gegenstände aus seiner außergewöhnlichen Karriere in alle Winde zerstreut wurden.

Das Ballett Nurejew bleibt ein kraftvolles, aber umstrittenes Werk. Seine eindrucksvolle Inszenierung und die persönliche Erzählung stehen im Widerspruch zu Russlands strengen Anti-LGBTQ+-Gesetzen, was seine Abwesenheit von russischen Bühnen besiegelt. Unterdessen prägen seine Schöpfer weiterhin Produktionen im Ausland und halten Nurejews Vermächtnis in anderen Ländern lebendig.

Quelle