Jan Böhmanns provokante Kunstausstellung polarisiert im Berliner HKW
Rebekka UllrichJan Böhmanns provokante Kunstausstellung polarisiert im Berliner HKW
Jan Böhmanns aktuelle Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft ist im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) eröffnet worden. Die Schau, die Satire, Politik und interaktive Kunst verbindet, sorgt bereits für Diskussionen – nachdem das Haus geplante Konzerte im Rahmen der Veranstaltung abgesagt hatte. Kritiker werfen dem HKW Zensur vor, andere argumentieren, die Entscheidung habe lediglich die öffentliche Neugierde befeuert.
Die Ausstellung verwandelt Böhmanns Late-Night-Show in ein real erlebbares Kunstwerk mit mutigen Installationen und spielerischen Provokationen. Bis zum 19. Oktober können Besucher sie erkunden – allerdings müssen sie ihre Handys an der Tür abgeben.
Den Auftakt bildet ein markantes Bild: eine riesige, halb versunkene aufblasbare Freiheitsstatue im Teich vor dem HKW. Böhmann beschreibt sie als Kommentar zum Zustand der US-Demokratie. Drinnen bleibt der Ton ebenso respektlos. Eine lebensgroße Butterbüste des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl steht neben "Trophäen" umstrittenen Persönlichkeiten, darunter eine unter dem Namen Donald Trump vermarktete Haarkur und Handtücher mit aufgestickten Kaninchen – angeblich im Besitz des in Ungnade gefallenen Milliardärs René Benko.
Böhmann, in lässiger Kleidung, begrüßt die Besucher persönlich und führt sie durch den Raum. Eine der meistdiskutierten Attraktionen ist eine Teleskop- und Spiegelinstallation auf dem Dach, die einen verzerrten Blick auf Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Arbeit bietet. Der Künstler betont, die Ausstellung gehe es nicht nur um Spott, sondern um "konstruktive Unvernunft" – einen Ansatz, um die Schwächen starrer, zerstörerischer Logik infrage zu stellen.
Ursprünglich waren im Rahmen des Programms auch Konzerte, Lesungen und Podiumsdiskussionen geplant. Doch nach der Absage der Konzerte sah sich das HKW Vorwürfen ausgesetzt, es gebe politischen Druck nach. Die Kontroverse scheint jedoch nach hinten losgegangen zu sein: Die Ticketverkäufe stiegen an, und die Medienberichterstattung steigerte das Interesse. Für 15 Euro können Besucher die Schau – und ihre strikte Handyverbots-Regel – noch bis Mitte Oktober erleben.
Böhmanns Team, bekannt für seine scharfe politische Kommentierung in der ZDF-Late-Night-Show, macht kein Hehl daraus, Figuren wie Donald Trump abzulehnen. Dennoch verzichtet die Ausstellung auf direkte Parolen und lässt stattdessen die Objekte und Installationen für sich sprechen. Kuratiert zusammen mit seinem Kollektiv Royal Group, lotet das Projekt Grenzen aus und lädt das Publikum ein, über die Rolle der Unvernunft bei der Lösung moderner Probleme nachzudenken.
Die Absage der Konzerte mag die Eröffnung überschattet haben, doch sie lenkte auch mehr Aufmerksamkeit auf Böhmanns Werk. Mit einer Mischung aus Humor, Kritik und interaktiven Elementen fordert Die Möglichkeit der Unvernunft die Besucher heraus, neu zu überdenken, wie Kunst sich mit Politik auseinandersetzen kann. Die Ausstellung ist täglich im HKW zu sehen – wer sie jedoch mit dem Handy festhalten möchte, muss sie auf die altmodische Weise erleben: vor Ort und ohne Bildschirm.






