Jugend in NRW verliert Vertrauen in die Demokratie – Studie zeigt alarmierende Trends
Franz Josef SchlosserJugend in NRW verliert Vertrauen in die Demokratie – Studie zeigt alarmierende Trends
Die Unterstützung für die Demokratie unter jungen Menschen geht zurück – viele fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet, um sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Eine neue Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt wachsende Unzufriedenheit: Weniger als die Hälfte der Jugendlichen glaubt mittlerweile, dass die Demokratie in der Praxis gut funktioniert. Expert:innen warnen, dass die Online-Radikalisierung die traditionelle politische Bildung an Schulen überholt.
Der Jugenddemokratiemonitor NRW 2025, veröffentlicht vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, belegt einen deutlichen Rückgang der Zufriedenheit mit der Demokratie. Seit 2021 ist der Anteil der 14- bis 18-Jährigen, die unglücklich mit der Funktionsweise der Demokratie sind, von 28 auf 35 Prozent gestiegen. Bei den 19- bis 29-Jährigen stehen zwar noch 83 Prozent grundsätzlich hinter dem demokratischen System, doch nur 51 Prozent sind mit seiner konkreten Umsetzung zufrieden.
Zwar geben 73 Prozent der jungen Menschen an, in der Schule etwas über Demokratie zu lernen, doch nur 57 Prozent trauen sich zu, selbstständig politische Informationen zu recherchieren. Diese Lücke zeigt eine zentrale Schwäche der aktuellen Bildung. Bundesbildungsministerin Karin Prien äußerte Besorgnis darüber, dass Jugendliche online zunehmend mit frauenfeindlichen Inhalten, Gewalt und extremistischem Gedankengut konfrontiert werden – insbesondere in sozialen Medien, Chatgruppen und Gaming-Communities.
Die Studie unterteilt zudem die Haltung der Bevölkerung: 44 Prozent sind überzeugte "Demokrat:innen", 42 Prozent "labile Demokrat:innen" und 8 Prozent "Demokratiegegner:innen". Dennoch besteht Veränderungswille. Auffällig ist, dass 76 Prozent der jungen Menschen sich wünschen, dass Schulen mehr politische Themen behandeln – eine Chance, das Demokratieverständnis zu stärken.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine klare Herausforderung: Die klassische politische Bildung kämpft gegen die digitale Radikalisierung. Da fast drei Viertel der Jugendlichen mehr Politikunterricht fordern, haben Schulen die Möglichkeit, Schüler:innen besser auf eine informierte Teilhabe vorzubereiten. Die Daten unterstreichen zudem die Notwendigkeit gezielter Strategien, um extremistischen Einflüssen im Netz entgegenzuwirken.






