Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein eigenes Kampfflugzeug

Laurenz Mühle
Laurenz Mühle
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Ein deutscher Propagandaplakat aus dem Zweiten Weltkrieg, das eine Gruppe von Kampfflugzeugen in der Luft zeigt, mit Texten zu ihren Fähigkeiten.Laurenz Mühle

Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands Pläne für ein eigenes Kampfflugzeug

Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat Deutschlands Bestrebungen, ein eigenes Kampfflugzeug zu entwickeln, als Ressourcenverschwendung kritisiert. Seine Äußerungen stehen im Widerspruch zu Branchenverbänden und der aktuellen Airbus-Führung, die das Vorhaben unterstützen. Enders argumentiert, dass die militärische Luftfahrt der Zukunft auf Drohnen und nicht auf bemannte Flugzeuge setzen werde.

Die Debatte entzündet sich, während Deutschland zwischen dem problembehafteten deutsch-französischen FCAS-Projekt und dem von Großbritannien angeführten GCAP-Programm abwägt.

Enders bezeichnete ein allein von Deutschland betriebenes Kampfflugzeugprogramm als "industriepolitische Hybris" und warnte vor exorbitanten Kosten und Verzögerungen. Zwar räumte er ein, dass Deutschland über das technische Know-how verfüge, ein solches Flugzeug zu bauen, doch nannte er es eine "kolossale Fehlallokation von Ressourcen". Stattdessen plädierte er für eine Zusammenarbeit mit Großbritannien oder Schweden, die er als pragmatischere Partner bezeichnete.

Seine Haltung bringt ihn in Konflikt mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury. Diese Gruppen befürworten ein deutsch geführtes Projekt und argumentieren, es sichere Arbeitsplätze und Fachwissen.

Enders bezeichnete zudem die Entscheidung von 2017, sich im FCAS-Projekt mit Frankreich zusammenzuschließen, als "strategischen Fehler". Er hält Großbritannien für die bessere Wahl, angesichts der anhaltenden Streitigkeiten zwischen Airbus und Dassault über Führung und industrielle Arbeitsteilung. Diese Spannungen haben den Fortschritt von FCAS gebremst und Deutschland dazu veranlasst, Alternativen wie GCAP in Betracht zu ziehen.

Die deutsche Regierung unterstützt zwar offiziell weiterhin FCAS, hat aber auch die Tür für GCAP offen gelassen. Bundeskanzler Friedrich Merz schließt einen Beitritt zum britischen Programm oder sogar die parallele Entwicklung bemannter Jets nicht aus, während man bei FCAS an Teilbereichen wie Drohnen und Cloud-Systemen zusammenarbeitet. GCAP verspricht zwar eine schnellere Entwicklung, bringt aber Herausforderungen mit sich, darunter ungelöste Finanzierungsfragen und eine Abkehr von europäischen Partnern.

Langfristig prognostiziert Enders, dass bemannte Kampfflugzeuge in den nächsten zwei Jahrzehnten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen werden. Er besteht darauf, dass die Zukunft autonomer, KI-gesteuerter Drohnensysteme gehört – und dass die Militärinvestitionen darauf ausgerichtet werden sollten.

Deutschland steht nun vor der Entscheidung, entweder am verzögerten FCAS-Projekt festzuhalten oder andere Optionen wie GCAP zu prüfen. Der Streit offenbart tiefere Meinungsverschiedenheiten über die industrielle Strategie und militärische Prioritäten. Enders' Warnungen erhöhen den Druck auf die Verantwortlichen, die Kosten, Zeitpläne und technologischen Veränderungen in der Verteidigungsluftfahrt abzuwägen.

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